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Pflege durch Angehörige: So gelingt der Spagat zwischen Betreuung und Beruf

2. Dezember 2025 durch
Pflege durch Angehörige: So gelingt der Spagat zwischen Betreuung und Beruf
LINO Solutions GmbH, LINO Solutions

Manchmal geht es schleichend, manchmal aber tritt eine plötzliche Veränderung ein und Ihr Vater, Ihre Mutter oder eine andere nahestehende Person benötigt regelmäßige Pflege und Betreuung. Viele Menschen stehen dann vor der großen Herausforderung: Sie möchten ihre Liebsten bestmöglich unterstützen und gleichzeitig aber auch das eigene Leben fortführen und z.B. weiterhin berufstätig bleiben. Doch die Betreuung durch Angehörige ist mitunter gleichzustellen mit einem Vollzeitjob – zeitintensiv, körperlich und vor allem auch emotional herausfordernd.

Die gute Nachricht ist, dass es heutzutage vielfältige Hilfsangebote für pflegende Angehörige gibt, um diesen Spagat erfolgreich zu meistern, ohne sich selbst zu verlieren. In diesem Artikel bekommen Sie einen Überblick darüber, worauf Sie achten sollten und welche zahlreichen Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Von finanzieller Unterstützung bis hin zu Entlastungsangeboten im Alltag.

Idealerweise können Ihre Liebsten den Lebensabend entspannt und selbstbestimmt im gewünschten Umfeld genießen. Gleichzeitig sollten Sie selbst ihr Leben erfüllt weiterführen können, ohne dabei an ihre eigenen Grenzen zu stoßen.

Pflege durch Angehörige in Österreich – ein Blick auf die Realität

Die Hilfe durch zugehörige und angehörige Personen, ist die Form, durch die ein großer Teil der Pflege- und Betreuungsleistungen in Österreich abgedeckt wird. In Österreich waren laut der Studie „Angehörigenpflege in Österreich“ rund 950.000 Menschen mit dem Thema  Pflege und Betreuung konfrontiert. Von diesen sind rund 801.000 Personen im privaten Umfeld und 146.000 Personen im Bereich der stationären Langzeitpflege informell involviert. Somit kann man sagen, dass sich rund 10% der österreichischen Bevölkerung entweder zuhause oder in Einrichtungen um eine pflegebedürftige Person kümmern. Im Gegensatz dazu leben nur knapp 95.500 Personen in stationären Pflegeeinrichtungen, das heißt, sie werden also in Alten- und Pflegeheimen gepflegt.

(Quelle: Österreichisches Sozialministerium Pflegereformpakete I-III)

Wenn in der Familie der Bedarf nach Pflege und Betreuung entsteht, sind viele Menschen - vor allem Frauen - veranlasst, die Arbeitszeit zu reduzieren und wechseln oder verbleiben z.B. nach einer Kinderkarenz in Teilzeit. Das ist besonders dann der Fall, wenn beide Eltern Unterstützung brauchen und Pflegegeld erhalten, so eine neue Studie von EcoAustria und der ERSTE Stiftung. (Quelle: EcoAustria in: https://ecoaustria.ac.at/auswirkungen-arbeitsmarkt-pflege/)


Wenn Pflege zum zweiten Job wird – Risiken vorbeugen

Viele ältere Personen wünschen sich, so lange wie möglich im eigenen Zuhause leben zu können und meist tun ihre Liebsten sehr viel, um diesen Wunsch zu erfüllen. Oft geht das aber nicht mit einer bewussten Entscheidung und Planung einher, sondern die Pflege- und Betreuungsintensität steigert sich, bis es plötzlich nicht mehr geht.

Viele Menschen beschreiben die Pflege ihrer Angehörigen als „unsichtbare Zusatzarbeit“, denn viele pflegende Angehörige sind häufig erwerbstätig und jonglieren täglich mit Meetings, Pflegeeinsätzen und ihrem eigenen Familienleben. Nach einem langen Arbeitstag beginnt manchmal zu Hause der "zweite Dienst" mit Tätigkeiten wie:

  • Medikamente richten
  • Einkäufe erledigen
  • pflegerische Tätigkeiten übernehmen
  • „einfach“ nur reden
  • oder „schnell“ einmal vorbeischauen, weil die Person etwas dringend benötigt

Nicht zu vergessen sind die damit einhergehenden komplexen organisatorischen Aufgaben. Von der Organisation des eigenen Lebens bis hin zur Koordination der Pflege und Betreuungsleistungen.

Diese Doppelbelastung ist damit nicht nur eine persönliche, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. Angehörige geraten dabei häufig an ihre körperlichen, aber auch seelischen Grenzen. Viele pflegende Angehörige haben Schwierigkeiten Familie, Beruf und die Betreuung miteinander zu vereinbaren, wodurch kaum Raum für die Erholung der Person bleibt.


Emotionale Herausforderungen meistern

Besonders herausfordernd ist auch die emotionale Abgrenzung. Die Sorge, nicht gut genug zu sein, nicht genug zu tun oder eine nahestehende Person in solch einer Situation zu erleben, kann zu zusätzlichen inneren Spannungen führen.

Besonders belastend wird die Betreuung, wenn Uneinigkeit entsteht oder wenn die pflegebedürftige Person nur schwer akzeptieren kann/will, dass sie allgemein Unterstützung benötigt oder ein Hilfsmittel im Speziellen erleichternd wäre.

Das kann verschiedene Gründe haben. Oft wollen pflegebedürftige Personen einfach niemanden zur Last fallen. Andere wiederum tun sich schwer, ihre Rolle als Elternteil und in gewissen Maßen auch als Ratgeber, aufzugeben. Dadurch können tiefgehende, emotionale Konflikte entstehen, welche für beide Parteien sehr belastend sein können. Scheuen Sie sich nicht, gegebenenfalls professionelle Unterstützung zu suchen, wenn Sie die Betreuungs-Situation dauerhaft emotional belastet.


Weil auch Helfer Hilfe brauchen – Wann ist es Zeit, Unterstützung anzunehmen?

Viele Angehörige übernehmen die Betreuung eines ihnen nahestehenden Menschen aus Liebe, Verantwortung und Dankbarkeit für all das, was diese Person ihnen selbst schon gegeben hat.

Die Pflege zu Hause ermöglicht es, dass die pflegebedürftige Person in ihrer vertrauten Umgebung bleiben kann. Dort, wo sie sich sicher und geborgen fühlt. Gleichzeitig bedeutet das für Sie als Angehörige oder Angehöriger, viel Verantwortung zu tragen, den Alltag oft neu zu organisieren und an den sich laufend ändernden Betreuungsbedarf anzupassen.

Es ist schön zu erleben, wie Nähe entsteht, wenn man füreinander da ist. Doch auch dieselbe Nähe kann auch belasten, wenn die eigenen Kräfte an die Grenzen stoßen. Schlafmangel, Dauerstress und das Gefühl, allem gerecht werden zu müssen, sind keine Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, wie ernst Sie Ihre Aufgabe nehmen.

Pflege verlangt viel Aufmerksamkeit, Geduld und Liebe. Aber auch die Fähigkeit, rechtzeitig auf sich selbst zu achten. Denn wer immer nur gibt, läuft Gefahr, sich selbst zu verlieren. Es ist völlig normal, dass Sie sich manchmal überfordert oder unsicher fühlen. Wichtig ist es, zu erkennen und ehrlich mit sich selbst zu sein: Wo liegen Ihre Grenzen und wo kann Unterstützung guttun?

Professionelle Hilfe anzunehmen, bedeutet nicht, aufzugeben.

Im Gegenteil. Professionelle Hilfe kann entlasten, Konflikte vermeiden und dafür sorgen, dass die gemeinsame Zeit wieder von Nähe, Vertrauen und Freude statt von Überforderung und Stress geprägt ist.

 

So gelingt es - Selbstbestimmt zuhause alt werden

Wichtig ist, die jeweilige Pflege- und Betreuungs-Situation regelmäßig mit kritischer Distanz zu beurteilen und sich den laufend ändernden Anforderungen anzupassen. Zum Beispiel indem die Leistungen mobiler Dienste, ein Umzug in alternative Wohnformen oder eine Entlastung durch professionelle Pflege- und Betreuungspersonen in Anspruch genommen werden.

Dafür braucht es aber ein stabiles Netzwerk aus familiären und auch professionellen Hilfen. Folgende Anlaufstellen bieten dabei Unterstützung an:

  • Beratungsangebote für pflegende Angehörige

    Alle Träger sozialer Hilfe wie z.B. Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Volkshilfe, Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariterbund und viele andere bieten für pflegende Angehörige verschiedene Angebote, wie Gesprächsrunden, Beratung und Entlastung bei Demenz oder auch Möglichkeiten für Urlaub & Erholung an, welche Entlastung schaffen sollen. In größeren Städte gibt es meist auch Sozialberatungsstellen, in Gemeinden können die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen oder das Gemeindeamt meist als erste Anlaufstelle für Informationen dienen.
  • Alles Clara

    Besonders empfehlenswert ist die Plattform und zugehörige App Alles Clara. In der App beraten und begleiten Sie Berater:innen aus der Pflege und Psychologie, beantworten deine Fragen und geben dir Hilfestellungen.
  • Mobile Pflegedienste

    Übernehmen die pflegerischen Aufgaben, welche anfallen und unterstützen bei allgemeinen Tätigkeiten. Die Dienstleistungen werden meist von den oben genannten Trägerorganisationen angeboten.
  • Essen auf Rädern und Lieferservices

    Ersparen Sie sich den Druck und nehmen das Angebot von diversen Essensservices oder greifen Sie auf die Möglichkeit von Online-Bestellungen inklusive Lieferangeboten der Supermärkte zurück.
  • Tageszentren

    Tageszentren sind Einrichtungen, wo ältere oder pflegebedürftige Menschen tagsüber betreut werden können, während diese dann abends und nachts wieder zu Hause, in den eigenen vier Wänden, sind. Das bietet Ihnen als pflegende Person die Möglichkeit, sich unter Tag auch einmal Zeit für sich zu nehmen oder andere Erledigungen zu machen. 
  • Pflegefreistellung

    In Österreich haben Arbeitnehmer:innen das Recht, Pflegezeit oder Pflegeteilzeit in Anspruch zu nehmen. Das kann kurzfristig Entlasten.
    Hier finden alle, für Sie relevanten, Informationen.
  • ANNA – Angehörige nehmen Auszeit: 

    Das ist ein Programm von der österreichischen Gesundheitskasse, für ein Erholungsangebot für pflegende Angehörige. Dieses Erholungsprogramm dauert drei Wochen und findet an einem von drei Standorten statt.
    Hier finden Sie den Informationsfolder dazu.


💡 Tipp: Sehr empfehlenswert ist die Infoplattform für Pflege und Betreuung des Sozialministeriums. Hier können Sie einen sehr guten Überblick über die bestehenden Möglichkeiten der Unterstützung finden und sich auch direkt mit dem Fachpersonal in Verbindung setzen.

  • Hier der Link für Pflege und Betreuung zu Hause.
  • Hier der Link für Pflege und Betreuungseinrichtungen.
  • Hier der Link für Pflege in bestimmten Lebenssituationen.

 Weitere Tipps und Links zu verwandten Themen finden Sie in den Blogbeiträgen auf unserer Website, wie finanziellen Hilfen oder wenn Sie das erste mal mit Pflege konfrontiert sind.


Technische Hilfsmittel können die Pflege erleichtern

Pflege zuhause bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig Sicherheit zu gewährleisten. Neben persönlichen Dienstleistungen und kleinen Alltagshelfern gibt es heutzutage schon eine Vielzahl an technischen Lösungen, die helfen, den Alltag sicherer zu gestalten und gleichzeitig Angehörige wirkungsvoll unterstützen. Dazu zählen unter anderem die Notruf- und Assistenzsysteme vom Roten Kreuz, Samariter-Bund oder die Angebote der Sozialhilfe-Organisationen. Wie Alltagshelfer und kleine technische Unterstützungen den Pflegealltag erleichtern können, lesen Sie hier im Artikel: "Alltagshilfen die das Leben erleichtern : Kleine Helfer mit großer Wirkung."

Ein Beispiel dafür ist das passive Sicherheitssystem Paula. Paula arbeitet unauffällig im Hintergrund und sorgt für Sicherheit rund um die Uhr. Ganz ohne Knopfdruck. Nach dem Anschluss an den Stromzähler erkennt das System automatisch die täglichen Verbrauchsmuster im Haushalt. Weicht der Stromverbrauch plötzlich von der Routine ab, werden die hinterlegten Kontaktpersonen per App benachrichtigt.

Mit Paula wissen Sie jederzeit, ob zu Hause alles in Ordnung ist. Ganz ohne ständige Kontrollanrufe oder -besuche können Sie über die App, Zeitfenster mit Aktivität erkennen. Das schafft Vertrauen, entlastet emotional und gibt Sicherheit. Sowohl Ihnen als auch der betreuten Person.

So bietet Paula moderne Technologie für maximale Sicherheit im gesamten Haushalt. Wenn Sie mehr über Paula erfahren möchten, dann besuchen Sie unsere Webseite oder kontaktieren Sie uns per Telefon oder WhatsApp unter: +43 681 20605635. 


So gelingt die Balance zwischen Betreuung und Alltag

Um diese beiden großen Aufgabenbereiche möglichst gut miteinander zu vereinen, ist Folgendes wichtig:

  1. Versuchen Sie nicht, die gesamte Pflege allein zu tragen. Betreuung ist Teamarbeit. Binden Sie ihre Familienmitglieder mit ein und versuchen Sie ein gutes Klima für alle Beteiligten zu schaffen.

  2. Informieren Sie sich frühzeitig und nutzen Sie das umfassende Unterstützungsangebot von diversen externen Dienstleistern, wie mobile Pflege, Essen auf Rädern oder einer Tagesbetreuung nach Bedarf.

  3. Nehmen Sie sich genügend Zeit für sich selbst. Nur wer selbst Energie hat, kann Kraft für andere Personen aufbringen. Suchen Sie sich ein Hobby, welches Ihnen guttut. Verabreden Sie sich mit Freundinnen oder besuchen Vorträge zum Thema Entspannung, Schaf oder was Sie gerade als richtig empfinden.

  4. Sprechen Sie offen mit ihrem Arbeitgeber über die Situation und versuchen Sie auch Lösungen, wie flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder ähnliche Kompromisse zu finden. Informieren Sie sich über die Möglichkeiten und gesetzlicher Rahmenbedingungen, wie die Pflegefreistellungen. Das ermöglicht Ihnen, kurzfristig intensive Pflegesituationen zu bewerkstelligen.


💡 Tipp: Schauen Sie sich folgendes Video zum Thema „Mit der richtigen Ernährung zum erholsamen Schlaf“ von der Volkshilfe Wien, auf YouTube an.

Die Pflege durch Angehörige ist ein Ausdruck tiefer Verbundenheit und verdient Unterstützung. Mit den richtigen Informationen, Entlastungsangeboten und finanziellen Hilfen können Angehörige ihre Liebsten versorgen, ohne selbst an ihre Grenzen zu stoßen.

Hilfe für Angehörige bedeutet: Unterstützung annehmen, gemeinsam Lösungen finden und auf professionelle Partner setzen. So wird es möglich, dass ältere Menschen entspannt zuhause und im sozialen Umfeld alt werden.

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